Silbernes Lorbeerblatt für The Mannschaft

Genau 25 Jahre und einen Tag nach dem Mauerfall überreichte Bundespräsident Joachim Gauck 21 von 23 Weltmeistern der deutschen Fußballnationalmannschaft das silberne Lorbeerblatt.

Bundespräsident Gauck: „Wir alle sind Weltmeister geworden!“ (Foto: Presse- und Informationsamt der Bundesregierung)

Bundespräsident Gauck: „Wir alle sind Weltmeister geworden!“ (Foto: Presse- und Informationsamt der Bundesregierung)

Lediglich Julian Draxler und André Schürrle mussten den Termin im Berliner Schloss Bellevue verletzungsbedingt absagen. Thomas Müller vom FC Bayern hingegen hatte am Samstag nach dem 4:0-Sieg bei Eintracht Frankfurt, den der Torjäger mit drei Treffern maßgeblich ebnete, noch gar keine so rechte Ahnung, was ihn in der Hauptstadt erwarten würde: „Ich weiß gar nicht: Sind wir beim Bundespräsidenten oder bei der Bundeskanzlerin?“

Schließlich war Müller schon 2010 dabei, als der damalige erste Mann im Staate, Christian Wulf, Müller und seinen Mannschaftskameraden vom WM-Team 2010 die Ehrung „Silbernes Lorbeerblatt“ bereits anhaftete, damals für den dritten Platz, aber auch für die Integrationskraft, die das Team in den Augen von Wulff mit den vielen unterschiedlichen Wurzeln symbolisiert hatte. Und natürlich war damals wie heute auch Mama Merkel mir von der Partie.

Jetzt also die Weltmeister vom Campo Bahía, die nach dem offiziellen Termin bei Gauck am Abend noch eine weitere Sternstunde zu feiern hatten. So schaute man gemeinsam die Premiere des Kinofilms „Die Mannschaft“, der morgen in die Lichtspielhäuser kommt. „Der Film ist ein Geschenk von uns für die Fans“, verrät DFB-Manager Oliver Bierhoff. „Der Film jetzt hat noch mehr Atmosphäre, noch mehr Nähe. Er zeigt, was im Team passiert. Es gibt mehr interne Eindrücke und mehr Einsichten hinter die Kulissen als beim Sommermärchen.“

So dürfen sich die deutschen beispielsweise auf Müller freuen, der wegen einer verlorenen Golfwette seine Mannschaftskollegen im Dirndl verkleidet als Oktoberfestkellnerin bedient. Oder Per Mertesacker, der betrunken im bunten Discolicht mit einer Goldmedaille um den Kopf gebunden ausgelassen tanzt. Oder wieder Müller, der via Lachanfall über seinen „Freistoßtrick“ gegen Algerien schwadroniert, wo er beim Anlauf über die eigenen Hax’n geflogen war…

„Das Spieler und Trainer, Betreuer und Verband Weltmeister geworden sind, das ist nur die halbe Wahrheit, die kleinere Hälfte der Wahrheit“, so Gauck bei seiner Würdigung der Titelträger. „Die ganze Wahrheit ist jedoch, dass wir alle Weltmeister geworden sind, dass wir uns alle jedenfalls so fühlen.“

Gauck, der einstige Pastor aus der ehemaligen DDR, brachte einen Tag nach den Mauerfall-Jubiläumsfeierlichkeiten natürlich auch dieses Thema in die Zeremonie mit ein. „Das hat eine lange Geschichte, die spätestens 1954 beginnt, als Deutschland zum ersten Mal Weltmeister wurde. Und wenn ich sage: Deutschland und nicht Bundesrepublik, dann nicht nur deswegen, weil man das 1954 ganz selbstverständlich so gesagt hat, sondern auch deshalb, weil so viele sich bei uns in der DDR genauso als Weltmeister fühlten wie die Westdeutschen. Auch 1974 war der Osten wie selbstverständlich Weltmeister geworden, trotz eigener DDR-Mannschaft bei der WM.“

1990, in diesem denkwürdigen Jahr, wo der Weltmeistertitel zum ersten Mal an das wiedervereinigte Deutschland gegangen ist, habe dies genau zwischen Einheit und Mauerfall gepasst. „Und jetzt feiern wir Deutschen ein Vierteljahrhundert friedliche Revolution und im kommenden Jahr 25 Jahre Deutsche Einheit. Auch dies ist wieder ein WM-Titel, der einen wichtigen Zeitabschnitt des Landes markiert: Der vierte Stern leuchtet ganz besonders.“

In seiner Hommage an das außergewöhnliche Team ergänzte Gauck, dass alle ein bisschen stolz sein dürften, dass man die deutsche Nationalelf mittlerweile auf Englisch „The Mannschaft“ und auf Französisch „Le Mannschaft“ nenne. „Wenn ein Wort in eine andere Sprache übernommen wird, ohne dass eine Übersetzung erfolgt, dann deswegen, weil sich etwas besonderes in diesem Wort ausdrückt.

Hier drückt sich Respekt aus vor einer Spielweise, einem Gemeinschaftsgeist und einer fein ausgeklügelten Balance zwischen individuellen Stärken und Einpassen ins Team. Diese in Brasilien unbezwingbare Kombination hat zum verdienten Titel geführt. Mit Fußball, der oft begeisternd war, der Freude und Spaß ausgelöst hat und der meilenweit entfernt war von einer verbissenen Erfolg-um-jeden-Preis-Mentalität, die meist nur freudlose und dann auch sieglose Verkrampfung bringt“, weiß Gauck.

Der Bundespräsident weiter: „Alle, die die Spiele verfolgt haben, werden sich noch lange an vieles erinnern. Und manches wird wohl für immer im Gedächtnis bleiben, wie der unfassbare 7:1 Erfolg über Brasilien. Niemals hat ein Ereignis in Deutschland mehr Zuschauer gehabt. Und natürlich das Siegtor gegen Argentinien, das man sich ja gar nicht oft genug noch einmal ansehen kann.

Ich freue mich, dass ich persönlich dabei sein durfte in Rio de Janeiro und die unvergesslichen Augenblicke hautnah miterleben konnte. Es war und ist schon etwas ganz Besonderes, als Bundespräsident Weltmeister zu werden.“

Auch das Thema Integration sprach Gauck an. „Was die Mannschaft nun auch schon eine ganze Weile ausmacht, das ist die ganz selbstverständliche Spiegelung der Einwanderungsgesellschaft, die wir längst geworden sind. Was in den Jahren zuvor schon festgestellt werden konnte, das wird nun mit dem Weltmeistertitel erst recht klar: Der Fußball und gerade diese Mannschaft können zeigen, wie die Einheit der Verschiedenen gelingen und zu welchen Erfolgen dies führen kann. Wir gehören zusammen und wir gewinnen zusammen, das ist die großartige Botschaft dieser Mannschaft.

Wie sehr wir solche Vorbilder brauchen, haben die Ausschreitungen von Hooligans in den vergangenen Wochen gezeigt. Der Sport dient in solchen Momenten als Feigenblatt für rohe Gewalt, für Fanatismus und Hass. Aber der Sport kann eben auch das Gegenmittel sein, kann eine Atmosphäre fördern, in der Toleranz und Offenheit vorgelebt werden – von Spielern wie von Fans. Ich danke allen hier im Saal, die sich unermüdlich gegen Rechtsextremismus und Gewaltorgien stark machen. Vor allem bitte ich Sie: Setzen Sie dieses Engagement fort!

Die Welt schaut auf das, was Sie auf und auch neben dem Platz leisten. Mit dem Titelgewinn 2014 haben Sie sich, Ihren Freunden und Fans, und dem ganzen Land ein bleibendes Geschenk gemacht. Dem großen Buch des Fußballs mit seinen legendären Helden und Mannschaften haben sie ein besonders schönes schwarz-rot-goldenes Schmuckblatt hinzugefügt.“

Auch der Basis dankte Gauck. „Nun wir wissen: Dieser Erfolg kam nicht über Nacht. Er hat viele Väter. Da ist die seit Jahren verbesserte Jugendarbeit in den Vereinen, die konsequente und individuelle Nachwuchsförderung. Verband und Vereine wissen sich in einer gemeinsamen Verantwortung – nicht nur für den Erfolg, sondern auch für die ganze Entwicklung der jungen Menschen. Zu danken haben wir sicher also auch den vielen Jugendtrainern überall im Land, die Talente entdecken und fördern.“

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