Nationalmannschaft: Löw und Co. bleiben bis 2016!

Die Spatzen pfeifen es bereits seit Monaten von den Dächern, heute hat der DFB in einer offiziellen Pressekonferenz die Katze aus dem Sack gelassen: Das Funktionsteam der Fußball-Nationalmannschaft des DFB um Trainer Joachim Löw, Assistenzcoach Hansi Flick, Torwarttrainer Andy Köpke und Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff hat seinen Vertrag verlängert. Löw, Köpke und Bierhoff unterzeichneten bis 31.7.2016, Flick wird nach der WM 2014 (1. September) neuer DFB-Sportdirektor, dieser Kontrakt läuft dann bis 2019. Gegen 10.20 Uhr kam die Tinte unter die Arbeitspapiere.

DFB-Präsident Wolfgang Niersbach erläuterte die Personalien: „Warum haben wir die Verträge jetzt schon verlängert? Weil wir total überzeugt sind von der Arbeit. Ich war in der letzten Woche wieder ganz nah dran an der Nationalmannschaft und habe spüren können wie das dortige Innenleben geprägt ist von Vertrauen und Professionalität. Das Team ist eingespielt, wohlgemerkt nicht eingefahren! Das spiegelt sich auch wider in den spektakulären Auftritten unserer Mannschaft und in der Anerkennung, die wir international erfahren!

Joachim Löw erklärte: „Wir arbeiten mit großer Motivation, Freude und Leidenschaft mit der Mannschaft, die noch großes Entwicklungspotenzial hat, weshalb wir den Weg bis 2016 weitergehen wollen. In diesen zwei Jahren wollen wir natürlich auch den maximalen Erfolg erreichen. Und die WM 2014 ist natürlich dabei eine wichtige Aufgabe. Ich freue mich auch für Hansi Flick, dass er jetzt diese Aufgabe als Sportdirektor übernehmen darf. Er hat in den letzten Jahren mit uns intensiv und hervorragend zusammengearbeitet. Er hat als Sportdirektor die richtige Kompetenzen und Autorität und auch Leidenschaft, um diesen Posten hervorragend auszufüllen. Außerdem haben wir gemeinsam an der sportlichen Philosophie gearbeitet, wir kennen uns sehr, sehr gut, deshalb bin ich von einer fruchtbaren Zusammenarbeit ab 2014 absolut überzeugt.“

DFB- Generalsekretär Helmut Sandrock ergänzte: „Für uns war Hansi Flick der erste Ansprechpartner bezüglich des Sportdirektor-Postens, er ist international und national bestens vernetzt und hat auch in der Vergangenheit schon koordinative Aufgaben im U-Bereich übernommen. Er hat die U21-EM analysiert und mit mir gemeinsam auch schon die Zuständigkeiten der U-Mannschaften und das Trainerthema geregelt. Sein Vertrag gilt ab 2014, bis dahin wird er bei diesen Aufgaben von mir unterstützt, denn Hansi Flick wird sich jetzt auch nochmal voll auf die WM in Brasilien konzentrieren müssen als Assistenztrainer von Jogi Löw. Dieses Anforderungsprofil geht in Richtung Eliteförderung im Zusammenspiel mit den Trainern, den U-Mannschaften und den Leistungszentren. Hier soll Hansi Flick auch Entwicklungen und Trends des Fußballs im Auge haben. Außerdem soll er die schon sehr gute Trainerausbildung im DFB noch weiter voranbringen. Die Spitzenförderung steht im Zentrum unseres Handelns, um auch in Zukunft wieder Titel gewinnen zu können.“

Auch Oliver Bierhoff zeigte sich sehr zufrieden: „Dass wir vor der WM schon die Verträge verlängern konnten, hilft natürlich bei der Planung, die wir nach dem 6. Dezember richtig angehen können, wenn wir Spielorte, Gegner und Zeitplan kennen. Ich freue mich riesig auf die nächsten beiden Jahre. Ich habe ja im Sommer leise und auch etwas lauter über meine Zukunft beim DFB nachgedacht, was aber an sich nichts mit der Aufgabe zu tun hatte. Nach zehn Jahren muss man sich aber doch mal fragen, ob man noch genügend Ideen und Energien für diese Aufgabe hat. Ich konnte das für mich mit einem klaren Ja beantworten, denn die Arbeit ist komplex und vielfältig. Der Erfolg der Nationalmannschaft ist ein Erfolg des gesamten DFB, weshalb ich sehr gerne mit allen Mitarbeitern kooperiere. Ich spüre die Unterstützung und will die Nationalmannschaft weiter vorantreiben, das betrifft den sportlichen als auch den wirtschaftlichen Erfolg. Wir wollen auch die Imagewerte weiter steigern, hier ist das Potenzial noch nicht ausgeschöpft!“

Andy Köpke: „Auch ich freue mich natürlich riesig über die Vertragsverlängerung, da die EM 2016 in Frankreich gerade für mich eine Herzensangelegenheit ist, ich habe ja in Marseille gespielt. Wir haben im Funktionsteam in den letzten Jahren ein großes Vertrauen untereinander aufgebaut, was man auch in der Arbeit spürt. Wir wollen 2014 den großen Erfolg schaffen und den WM-Titel holen, deshalb werde daran jetzt jede Minute hart arbeiten.“

Hansi Flick: „Ich freue mich außerordentlich, dass der DFB mir die Aufgabe des Sportdirektors übertragen hat. Genauso freue ich mich, dass ich noch zwei Jahre mit dem Trainerteam weiterarbeiten darf, schließlich haben wir sehr, sehr gut zusammengearbeitet. Jetzt steht jedoch die WM 2014 im Fokus, auf die wir uns top vorbereiten werden. Denn unser Ziel ist es, Weltmeister zu werden. Diesem Ziel dient die gesamte Konzentration. Bis dahin werde ich kommissarisch mit Helmut Sandrock die Aufgaben erledigen. Ich freue mich, weiter an der Spielphilosophie des DFB zu arbeiten, ich kenne die Strukturen und weiß wie professionell beim DFB in allen Bereichen gearbeitet wird.“

Zum Thema Ausstiegsklausel sagte Niersbach: „Das kann ich für alle kurz beantworten: der DFB ist ein sehr traditioneller Verband und zur Tradition gehört es, dass über Vertragsinhalte nicht gesprochen wird und ich find’s gut, dass dies von der Öffentlichkeit auch so akzeptiert wird…!“

Löw: „Wir arbeiten jetzt schon seit fast zehn Jahren zusammen, so gut und so eng ist auch unser Verhältnis. Wir hätten eigentlich gar keinen Vertrag gebraucht, hätten das alles auch so in einem Gespräch und per Handschlag fixieren können.“

Wird sich die Kooperation mit dem Sportdirektor verändern? „Die Zusammenarbeit mit dem Sportdirektor hat immer stattgefunden. Natürlich gab es auch unterschiedliche Denkweisen, was aber auch fruchtbar ist. Die Arbeit mit Robin Dutt wurde ja früh beendet, aber ich denke in der neuen Kombination mit Hansi Flick wird es bezüglich der Kompetenzen überhaupt keine Probleme geben, wir werden immer einen Weg finden, gemeinsam die Dinge zu regeln, das Beste für den DFB herauszuholen.“

Niersbach zum Thema Bedingungen während der WM in Brasilien: „Es war schon interessant, was der zukünftige Sportdirektor Flick vom Noch-Assistenztrainer Flick verlangt, nämlich Weltmeister zu werden. Auch Jürgen Klinsmann hat bezüglich der WM 2006 gesagt: ‚Ich will Weltmeister werden!‘ und da war die Situation der Nationalmannschaft ungleich schwieriger als jetzt. Wir vom DFB können den sportlichen Köpfen versprechen, dass wir alles tun, wirklich alles tun werden, dass das Umfeld so gestaltet wird, dass die Mannschaft top vorbereitet in Brasilien ans Werk gehen kann. 1970 wurde in Mexiko mittags um zwölf gespielt, so dass Uwe Seeler schon nach 20 min einen Sonnenbrand auf seiner Platte hatte, deshalb macht es keinen Sinn schon im Vorfeld nach Ausreden zu suchen, dass die Klimaverhältnisse in Brasilien schwierig sind. Wir wissen, wie es ist und müssen damit umgehen.“

Jogi Löw macht sich darüber natürlich auch so seine Gedanken: „Die Bedingungen in Brasilien sind absolut extrem, wir waren ja schon mal für ein paar Tage dort. Wir werden unsere Mannschaft natürlich darauf vorbereiten, wollen aber nicht über solche Dinge lamentieren. Wer sich von vornherein schon damit beschäftigt, der hat schon verloren.“

Würde der Vertrag auch bei einem frühen WM-Ausscheiden erfüllt werden? „Natürlich gäbe es keine Basis für eine weitere Zusammenarbeit mehr, wenn man nach der Vorrunde ohne Punkt nach Hause fährt. Aber ich sehe jetzt keinen Sinn darin, darüber zu diskutieren. Wir sind alle der Meinung: Nach der WM ist vor der EM. Wir sind davon überzeugt, eine gute WM zu spielen. Daran besteht für uns kein Zweifel.“

Gibt es denn schon Überlegungen bezüglich eines Nachfolgers für Co-Trainer Flick nach der WM 2014? Löw: „Mit einem Nachfolger für Hansi Flick habe ich mich gar nicht beschäftigt, es ist jetzt noch kein Thema. Ich bin mir aber sicher, dass wir einen geeigneten Nachfolger finden. Ich hab‘ mich mit dem Thema konkret noch nicht beschäftigt. Es wäre aber durchaus eine Überlegung wert, den Nachfolger schon mit zur WM zu nehmen, um ihn mit den Abläufen vertraut zu machen. Es wäre denkbar, muss aber nicht sein.“

Hier wird über die Personalie Marco Pezzaiuoli spekuliert, der zwischen 1999 und 2000 Jugendkoordinator des Karlsruher SC war, als Joachim Löw dort als Cheftrainer arbeitete. Außerdem war Pezzaiuoli bereits 2006 einer der Kandidaten für den Posten des Co-Trainers, der dann mit Flick besetzt worden ist. Pezzaiuoli trainierte schon die U16-Nationalmannschaft, die U15-Auswahl und die U17-Junioren des DFB, mit der er 2009 Europameister geworden ist. 2011 war er für drei Monate Profi-Cheftrainer der TSG Hoffenheim, wurde jedoch wegen Erfolglosigkeit entlassen.

 

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