WM 2014: Protestplattform kündigt Explosion an

In der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ (FAS)  hat Gustavo Mehl, einer der Initiatoren des so genannten Volkskomitees WM und Olympia (Comitê Popular) eine Explosion des Protestes angekündigt.

„Es gibt viel vorzubereiten“, erklärt Mehl. „Wir werden im nächsten Jahr auf der Straße stehen. Der Protest wird explodieren.“ Der 30-jährige, der einen Steinwurf vom legendären Maracana-Stadion aufgewachsen ist, ergänzt: „Wir sind gegen das Modell dieser Mega-Sportveranstaltungen, die nur einigen korrupten Eliten im Lande, großen Konzernen und einer fragwürdigen Organisation wie der FIFA nutzen. Sie alle zusammen scheffeln auf unsere Kosten die Milliarden.“

Auch in Rio de Janeiro (hier: Blick auf den Zuckerhut/Foto: Dieter Hopf  / pixelio.de) werden Proteste erwartet!

Auch in Rio de Janeiro (hier: Blick auf den Zuckerhut/Foto: Dieter Hopf / pixelio.de) werden Proteste erwartet!

Sein Kollege aus dem Comitê Popular Chris Gaffney ergänzt: „Den öffentlichen Raum, den sich die FIFA mit ihren brasilianischen Helfern und den Sponsoren unter den Nagel gerissen hat, wird sich das Volk zurückerobern. In der WM-Städten finden wöchentliche Sitzungen unserer Protestgruppen statt. Darunter sind Menschen aus den Elendsquartieren der Großstädte, Menschenrechtsgruppen, Mietervereinigungen, Ärzte, Lehrer, Studenten, Fußballfans sowie Olympia- und WM-Kritiker.“

Für Unmut sorgte die Aussage von FIFA-Boss Sepp Blatter im Juni, als während des Confed Cups die Straßenschlachten tobten: „Es ist ja nicht so, dass wir Brasilien die WM aufgezwungen hätten…!“ Auch am Sicherheitskonzept wird gezweifelt, der Polizei wird kein Vertrauen entgegengebracht.

So wurde im Juli ein Maurer aus einem Elendsviertel von Rio de Janeiro von der Polizei festgenommen, der Arbeiter ist seitdem nicht mehr aufgetaucht. Insider vermuten, dass die Polizei ihn gefoltert und getötet hat. Die Organisation „Human Rights Watch“ will herausgefunden haben, dass die Polizei in den Favelas gezielt tötet, um die Drogenkriminalität einzudämmen, die Tötungen würden einfach so hingenommen und nicht geahndet.

In Sao Paulo kam im Oktober bei einem Polizeieinsatz ein Jugendlicher zu Tode, anschließend gab es schwere Ausschreitungen. Der Buchautor und Anthropologe Martin Curi erklärte in der FAS: „Es stellt sich die Frage, ob die Polizei bei der WM die richtigen Mittel anwenden wird, wenn es wieder zu Protesten kommen. Das kann man bezweifeln. Es gibt dort nicht unbedingt Strategien zur Deeskalation, wie es bei Veranstaltungen in Europa üblich ist.“

So bilanziert Gaffney: „Wir befinden uns bei der WM nicht im Jahr 2014, sondern im Jahr 1814. Einziger Unterschied: die Herrschaften werden nicht auf Sänften umhergetragen, sondern in dunklen Limousinen durch die Stadt chauffiert.“ Dabei werden Fahrspuren speziell für die Funktionäre freigehalten, das gemeine Fußvolk wartet derweil in den stockenden, stinkenden Staus des Großstadt-Molochs…

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