Riegel-Rudi Gutendorf: Heldt hat zu meiner Zeit noch in die Hose gepinkelt!

Er ist 88 Jahre alt und coachte mit der Trainer-Lizenznummer 330 (bestand die Prüfung 1953 noch unter Sepp Herberger) in über 30 Ländern 54 Mannschaften und hat immer noch nicht genug: Riegel-Rudi Gutendorf wollte auf Schalke anheuern!

Rudi Gutendorf: Zwischen Schalke und Chile, Fidschi und Fudschi (Repro: Uwe Jansen)

Rudi Gutendorf: Zwischen Schalke und Chile, Fidschi und Fudschi (Repro: Uwe Jansen)

In der „Bild am Sonntag“ verrät Trainer-Weltenbummler Rudi Gutendorf, dass er Schalke seine Hilfe angeboten habe. „Aus meiner Sicht war Jens Keller für Schalke nicht groß genug“, so Gutendorf. „Er hat mir am Ende fast schon leid getan. In einem Brief habe ich Horst Heldt dann vor einem Monat meine Hilfe angeboten, aber keine Antwort bekommen. Der Heldt kennt mich wahrscheinlich gar nicht, weil er noch als Baby in die Hose gepinkelt hat, als ich schon auf Schalke erfolgreich war!“

Während Schalkes neuer Übungsleiter Roberto Di Matteo im Privatjet zur Vertragsunterzeichnung eingeflogen kam, kutschte Gutendorf 1968 standesgemäß nach Gelsenkirchen. „Ich kam mit einem Corvette Stingray Cabrio, das rote Sitze hatte, aus Amerika, außer einem 10-l-Kanister mit Benzin hatte ich nichts dabei, auch keinen Berater. Mit dem Sprit hab ich vor der Geschäftsstelle dann die Trikots von den Jungs um Fichtel und Libuda angesteckt, die zuvor alles verloren hatten. Ich habe denen gesagt, da stecke die Pest drin, nächste Woche gebe es dann neue Jerseys. Die Jungs sollten erkennen, dass ich Mumm habe.“

Mit der heutigen Arbeitsauffassung der Profils kann der erfolgreiche Buchautor („Ich bin ein bunter Hund – zwischen Schalke und Chile, Fidschi und Fudschi“) nichts anfangen: „Ich habe damals mein erstes Training um 5.30 Uhr angesetzt, genau zu der Zeit, wenn die Bergleute zur Schicht in die Zechen einfuhren. Alle sollten wissen, dass auf Schalke nicht nur im Schacht malocht wird, sondern auch auf dem Platz. Der Keller hat zuletzt ja auch nur um 11 Uhr trainiert, weil viele Spieler in Düsseldorf wohnen und morgens keine Lust hatten, im Berufsverkehr im Stau zu stecken. Ich kann dazu nur sagen, dass man niemals Erfolg hat, wenn man als Trainer immer nachgibt.“

Wenn ihn damals ein Spieler gefragt hätte, ob man nicht später trainieren könne, hätte Rudi Rastlos den vor die Tür gesetzt. „Ich hätte zu ihm gesagt: ‚Du kannst jetzt zu Deiner Frau nach Hause fahren und Dich von Ihr massieren lassen – bei mir wirst du nie wieder spielen!‘“

Der beste Bundesligatrainer zur Zeit ist für Gutendorf auch nicht Bayerns Guardiola, sondern Lucien Favre, Coach von Borussia Mönchengladbach. „Guardiola hat in der Champions League beim 1:0 gegen ZSKA Moskau seine Truppe wie Ochsen gegen einen 5-4-Abwehrriegel anlaufen lassen. Da hätte ich taktisch mehr erwartet, er ist nicht mehr der beste Trainer der Welt.“

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