Österreich: Erpressungs-Thriller in Salzburg

Der österreichische Fußball wird von Spielmanipulationen und Erpressung heimgesucht. So erstattete am Montag Dominique Taboga vom Erstligaklub SV Gröding bei der Polizei Selbstanzeige, außerdem hat sich der Defensivspieler seinen Clubbossen anvertraut.

Laut Aussage Tabogas wurde er von einem Ex-Nationalspieler massiv unter Druck gesetzt und bedroht, er solle Spiele manipulieren. Der 31-jährige Abwehrspieler habe sich geweigert, die Manipulationen durchzuführen, weshalb die Erpresser auch seine Kinder (Taboga ist Vater von Zwillingen) bedroht haben soll.

Am 6. November feierte Domenique Taboga noch Geburtstag...(Foto: facebook)

Am 6. November feierte Domenique Taboga noch Geburtstag…(Foto: facebook)

Die „Salzburger Nachrichten“ (SN) haben wiederholt versucht eine Stellungnahme Tabogas zu erreichen, landeten aber stets auf der Mailbox seines Mobiltelefons mit der Nachricht: „Diese Person kann Ihren Anruf nicht entgegennehmen.“

Am Dienstagmorgen ging eine fingierte Geldübergabe über die Bühne, dabei wurden drei Personen festgenommen. Unter Verdacht steht auch der ehemalige Ösi-Nationalkicker Sanel Kuljic. Die Polizei ermittelt weiter unter Hochdruck.

Grödings Sportdirektor Christian Haas erklärte: „Das Ganze kam für uns völlig aus dem Nichts, wir sind schockiert. Der Spieler Taboga hat gestern mit uns ein Gespräch gesucht, dabei hat er uns gesagt, dass er erpresst von der Wettmafia wegen einer Spielmanipulation werde. Er sei am Montag auch zur Polizei gegangen. Diesen Entschluss hat Taboga alleine gefasst, wir haben ihn nicht zu diesem Schritt gedrängt. Ich sehe unseren Verein auch in keinem Zusammenhang mit dem mutmaßlichen Erpressungsskandal.“ Der Aufsteiger aus dem Salzburger Land hat den Kicker bis auf weiteres beurlaubt. „Wir wollen erst eine lückenlose Aufklärung“, so Haas.

Die „Kronen Zeitung“ wiederum berichtet, dass Taboga neben Kuljic auch von einem gebürtigen Tschetschenen erpresst werde, er habe Spiele manipulieren und an die Erpresser permanent Geld zahlen sollen. Man habe nicht nur seine Familie bedroht, sondern ihm erklärt, dass seine Karriere ein jähes Ende finden werde, wenn er die Anweisungen der Erpresser nicht befolgt. Bislang soll Taboga 87.000 € in mehreren Raten an die Erpresser gezahlt haben.

Marcus Neher, Sprecher der Staatsanwaltschaft Salzburg, verriet den SN: „Die drei verdächtigen Personen befinden sich derzeit in polizeilicher Verwahrungshaft, sind noch nicht in die Justizanstalt Salzburg überstellt worden. Die Vernehmungen sind noch nicht abgeschlossen. Zum Sachverhalt gibt es aus kriminaltaktischen Erwägungen von unserer Seite aus keine Stellungnahme.

Kuljic und Taboga kickten 2012 zusammen beim SV Kapfenberg, um diesen Club gab es in letzter Zeit immer wieder Wettspekulationen. Anschließend beendete Kuljic seine aktive Karriere. Aus der Kapfenberger Zeit soll nach Informationen der SN auch ein länger schwelender Konflikt zwischen Taboga und Kuljic stammen, weshalb die Erpressungen sich wohl nicht nur um die Spielmanipulation drehen.

Der festgenommene Kuljic soll nach Ende seiner Karriere durch eine schwere private Krise gebeutelt worden sein, seine Frau und die beiden Kinder trennten sich von ihm, hinzu kamen große finanzielle Schwierigkeiten. Zudem wollen die „Salzburger Nachrichten“ aus verlässlicher Quelle erfahren haben, dass sich der sechsten 36-jährige und Taboga immer wieder auf dem Parkplatz des Unternehmens Leube in Gröding getroffen haben sollen, der schwer einsehbar ist. Fußgänger haben die beiden Kicker dabei mehrfach gesehen.

Die Polizeispezialeinheit „Cobra“ war bei der fingierten Geldübergabe im Einsatz, sie fand auf einem Supermarktparkplatz in Anif bei Salzburg statt. In der laufenden Spielzeit kam Taboga beim Tabellenfünften der österreichischen tipp3-Bundesliga in 14 von 15 Partien zum Einsatz.

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